Schachraritäten aus alter Zeit





502  (Harsdörffer, Georg Philipp). Der Teutsche Secretarius: Das ist: Allen Cantzley- Studir- und Schreibstuben nützliches und fast nohtwendiges Formular- und Titularbuch: Enthaltend I. Dieser Zeit hohen Potentaten / ... Herren und Städte Ehrentitul. II. Gebräuchliche Gruß- und Freundschafft- III. Lehrreiche Klag- Trost- und Ladungs- IV. Wichtige Geschäfft- und Cantzley- V. Höfliche Frauenzimmer und Liebs- VI. Nohtwendige Kauff- und Handels-Briefe. Diesem sind angefügt unterschiedene Formularien allerhand Vorträge / Empfängnisse und Abdanckungen zu erstatten. Nach heut zu Tag üblichem Hof- und Kauffmanns Stylo wolmeinend zusammengebracht von Etlichen Liebhabern der Teutschen Sprache. Nürnberg, Endter, 1655. 8°. Gestochener Titel, 20 Bll., 639 S., 9 Bll. Register, 6 Bll. Zwischentitel. Pergamentband mit handschriftlichem Rückentitel. (79)
* Holzmann – B. IV, 1941. Georg Philipp Harsdörffer (1607 - 1658) war ein deutscher Dichter des Barock und schrieb über 50 Bücher in vielen Wissensgebieten seiner Zeit, u. a. auch zum Kanzleiwesen. Auf den Seiten 463 – 466 (IV. Teil, Abschnitt XLI) mit einem Muster für einen Brief und ein Anwortschreiben, das den Titel “Vom Schachspiel“ trägt. „nicht nur Titularbuch, sondern in erster Linie Geschäftsbriefsteller“. (Dünnhaupt) Zustand: Gestochener Titel auf festes Papier montiert. Innen stark gebräunt, vereinzelt fleckig und teilweise randig. Einband stärker angestaubt, fleckig und wenig bestoßen.    
     600,00

 

503  (Horn, Christian Adam) Unterhaltung eines Kosmopoliten mit einem einsamen Berg - Bewohner über Transorganisation und Unsterblichkeit. Leipzig, Kleefeld, 1797. 8°. 358 Seiten. Marmorierter Pappband. (79)
* Vergl. dazu VD18 10045724 (hier mit Verweis auf den handschriftlichen Eintrag des Verfassers in einem Exemplar). Auf den Seiten 144 – 159 mit einer Szene zum Schach: Der Kosmopolit, Sphron der Bergbewohner und Amalien spielen mehrere Partien und sprechen über die Bestimmung des Menschen. Zustand: Exlibris, Leimspur und Notizen auf Innendeckel. Ohne Vorsätze gebunden. Innen gebräunt und etwas fleckig. Einband bestoßen. Rücken mit Defekten.    
     240,00

 

504  Kempelen. (Wekhrlin, Wilhelm Ludwig.) Denkwürdigkeiten von Wien. Aus dem Französischen übersetzt. 3 Partien in einem Band. [3. Auflage] Gedruckt für Henrich Lyonel, Herrn von Visp, [Nördlingen, Beck], 1786. 8°. Mit 1 gefalteten Tabelle und wenigen Holzschnittvignetten im Text. Zusammen 6 Bll. (Titel und Inhaltsverzeichnisse zu den 3 Partien), 217 Seiten. Brauner Halblederband mit Rückenschildchen. (79)
* Vergl. dazu (jeweils Ausgabe von 1777) Goedeke IV, 1, 836, 2; Hayn - G. VIII, 435; vergl. Kieler Schachkatalog 8170. Die Ausgabe enthält in Beiträgen zu verschiedenen Bereichen kritische Anmerkungen über die Wiener Verhältnisse jener Zeit. Auf den Seiten 130 - 135 befindet sich unter § 10 (im Inhaltsverzeichnis als 'Der Schachspieler' vermerkt) ein kurzer Beitrag über den Schachautomaten von Kempelen. Zustand: Exlibris auf Innendeckel. Etikett auf Vorsatz. Stempel auf Vorsatz, Titel und Inhalt des 1. Teils. Innen gebräunt und vereinzelt fleckig. Einband etwas angestaubt und stärker bestoßen. Rücken beschabt.          450,00

 

505  Lassenius, Johannes. Bürgerliche Reiß- und Tischreden / In zwölff nützliche und anmutige Gespräch / abgetheilet. Darinnen nebenst denen / zur Kauffmannschafft gehörigen Sachen und Eigenschafften / derer ein Kauff- und Handelsmann / ... nicht wol entrathen kan … Nürnberg, Endter, 1664. 12°. (Gestochene Frontispiz fehlt.) 10 Bll., 660 S., 6 Bll. Register. Brauner Lederband mit Rückenschildchen. (79)
* Linde 1491. In einem Teil einer Rede ist auf den Seiten 377 -383 das Schachspiel, dessen Urspung und Beschaffenheit Gegenstand der Erörterung. Der lutherische Theologe Johannes Lassenius (1636 – 1692) war Hauptpastor der St. Petrikirche in Kopenhagen und Professor der Theologie in Kopenhagen. Als Schriftsteller verfasste er viele erbauliche Schriften. Zustand: Frontispiz fehlt. Stempel auf Vorsatz. Innen stärker gebräunt, wenig fleckig, teilweise stärker. Wenige Seiten mit Randdefekten oder handschriftlichen Notizen. Einband bestoßen und beschabt. Etikett auf Rücken.    
     240,00

 

506  Polignac, Melchior de. Anti - Lucretius, sive de deo et natura, libri novem ... opus posthumum; Illustrissimi Abbatis Caroli d'Orleans de Rothelin cura & studio editioni mandatum. Ad Exemplar Parisinum Recensuit Et ... Praefatus Est Jo. Christoph. Gottschedius. Leipzig, Breitkopf, 1748. 8°. Mit 1 gestochenen Frontispiz u. 1 gest. Textvignette. 7 Bll. (inkl. Titel), XLVIII, 430 S., 9 Bll. Index. Marmorierter Pappbd. (79)
* Vergl. dazu VD18 11384875; Linde – N. 4477; Jöcher III, 1660 f. Der deutsche Sprachforscher und Literaturtheoretiker Johann Christoph Gottsched besorgte diese erste in Deutschland gedruckte Ausgabe. Polignac schrieb mit diesem lateinischen Gedicht eine Widerlegung der antiken Philosophie aus der christlich - theistischen Sicht heraus. Ein Schachbezug findet sich im dritten Buch Vers 392 ff. (Seite  98f.): da "vergleicht der Verfasser die Verbindungen der Atome mit den Figuren im Schachspiel." (vergl. van der Linde II, 281 zur italienischen Ausgabe) Der französische Kardinal, Diplomat und Dichter Melchior de Polignac (1661 - 1741) war Botschafter in Polen beim missglückten Versuch Conti als König einzusetzen und Bevollmächtigter beim Kongress von Utrecht. Er war Mitglied in der Académie Française und Akademie der Wissenschaften. Das Porträt zeigt Melchior de Polignac. Zustand: Exlibris auf Innendeckel. Vorsätze erneuert. Innen stärker gebräunt und fleckig. Einband etwas bestoßen. 2 Etikette auf Rücken.    
     90,00

 

507  (Ponziani, Domenico Lorenzo) Il Giuoco incomparabile degli Scacchi, sviluppato con nuovo metodo, per condurre chiunque colla maggiore facilità dai primi elementi sino alle finezze più magistrali. Opera d'Autore Modenese, divisa in tre parti. Seconda Edizione purgata, ed arricchita di nuovi moltissimi lumi, e scoperte. Modena, Bartolomeo Soliani, 1782. 8°. Mit 3 Abbildungen und einigen Holzschnittvignetten im Text. 1 Bl. weiß, VIII, 242 Seiten, 1 Bl. Errata, 1 Bl. weiß. Flexibler Pappband. (79)
* Linde - N. 527; van der Linde I, 375; Schmid, S. 276 f. Domenico Ponziani (1719 - 1796) war Professor für Zivilrecht, einer der führenden italienischen Autoren des 18. Jahrhunderts und der bekannteste Vertreter der Schachschule von Modena. Mit dem Werk "Il Giuoco incomparabile degli Scacchi" lieferte er einen wichtigen Beitrag zur Schachtheorie. Ponziani propagierte das freie Figurenspiel, die Bauern waren Wegbereiter für die Figuren. Nach ihm ist die "Ponziani - Eröffnung" benannt. Die hier vorliegende 2. Auflage wurde von ihm gegenüber der 1. Auflage vermehrt und bedeutend verbessert. In der neuen Vorrede wird auch der Autor genannt. "Das Ganze zerfällt in drei Theile, deren erster allgemeine Regeln und eine schätzenswerte Kritik der bekannten Autoren jener Zeit enthält. Im zweiten Theile, welcher wieder nach den Eröffnungen abgetheilt ist, folgen dann das Giuoco piano mit den verschiedenen Rochaden, das Läuferspiel und die Veränderungen der Springerpartie, die unregelmäßigen Anfänge, das Königsgambit, und im fünften Abschnitt das Damengambit ... Den letzten Theil nehmen die regelmäßigen Spielendungen und 50 künstliche Endspiele ein, welche sich, eben so wie die Anfänge, durch eine überaus grosse Genauigkeit, mit der sie gearbeitet sind, vortheilhaft auszeichnen ... Diese zweite Modeneser Auflage gilt als die beste." (Schmid, S. 276) Zustand: Buchblock gelockert. Innen etwas gebräunt, wenige Seiten stärker und vereinzelt fleckig. Einband angestaubt, etwas bestoßen und fleckig. Seltene Ausgabe.
          300,00

 

508  Ringhieri, Innocenzo. Cento giuochi liberali, et d'ingegno, nouellamente da ... ritrovati e in dieci libri discritti. Non sia alcuno cotanto ardito, che quest'Opra fra dieci anni imprima ... Bologna, Anselmo Giaccarelli, 1551. 4°. Mit vielen teils größeren Initialen und einer großen Druckermarke auf dem Titel. 4 unnummerierte, 162 nummerierte Blätter, 1 Bl. mit Druckermarke. Flexibler Pergamentband mit neuen Schließbändern.. (79)
* Chicco - Sanvito 734; van der Linde II, 331; Rosenthal, Bibl. Magica 7285. “Das Werk ist der Catarina de Medici, Königin von Frankreich, zugeeignet und enthält auf Bll. 157 b - 158b der ersten und dritten … Ausgabe, die Anweisung eine Partie Schach mittelst Personen auszuführen.“ (van der Linde)
Eine seltene Sammlung von kuriosen Gesellschaftsspielen der Renaissance, darunter Giuoco della Fortuna, dell'Amante et dell amato, del Corpo humano, del Chiromante, della Bellazza, della Musica etc. Zustand: Titel mit Notizen von alter Hand. Innen gebräunt, wenig fleckig, oben und im Bug durchgehend randig, unten teilweise randig. Einband fleckig, stärker angestaubt und wenig bestoßen. Rücken oben und unten mit reparierten Defekten. Seltener Druck.          750,00

 

509  Vida, M. H. Father Francis and Sister Constance : a poem, from a story in the Spectator. And Chess: a poem. Translated into English from Vida. By George Jeffreys. London, Lawton, Gilliver and John Clarke, 1736. 4°. 2 Bll. (inkl. Titel), 64 Seiten. Gebunden mit Resten des braunen Lederrückens. (Einband fehlt) (79)
* Van der Linde II, 268; di Cesare 217. Ausgabe von Vida's Schachgedicht "Scacchia Ludus" auf den Seiten 29 – 64 in einer englischen Übersetzung durch George Jeffreys (1678 - 1755). Das Gedicht "Scacchia Ludus" handelt vom Schachspiel und schildert mit Mitteln des heroischen Epos die Geschehnisse einer Schachpartie zwischen Apollo und Merkur, erklärt Figurenaufstellung, Zug- und Schlagweise und Zweck des Spiels. Marco Girolamo Vida (geboren um 1490) war junger Priester und stammte aus Cremona. Zum Lohn für seine Dichtkunst und besonders das Schachgedicht erhielt Vida von Papst Clemens VII. den Episkopat von Alba bei Turin. Zustand: Innen gebräunt, wenige Seiten stärker und gering fleckig. Einband fehlt.    
     150,00

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